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Die offizielle Anmeldung

  • 29. Mai 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. März

Es wurde Ende des Jahres… das neue Jahr begann… Die Inflation hatte uns voll im Griff. Alles wurde teurer, das Geld knapper.

Genau diese Situation wirkte sich auch stark auf das Business der Sexarbeit aus. Man sagt zwar immer: Gesoffen, gefickt und gestorben wird immer… Doch selbst hier werden Abstriche gemacht.

Pornokinos wurden leerer, Entspannung blieb auf der Strecke, das Gehalt im Hauptjob stagnierte. Ich musste mir etwas einfallen lassen.


Immer wieder kam ich auf das Thema Sexarbeit zurück. Es musste doch einen anderen Weg geben, als mich einfach bei einer Escort-Agentur anzumelden. Was wäre mit einem Bordell, Nachtclub, FKK-Saunaclub oder einem Laufhaus? Wie kommt man in diese Etablissements? Was muss man dafür tun? Und vor allem: Ist das überhaupt das Richtige für mich?

All diese Gedanken schwirrten plötzlich in meinem Kopf herum.


Ein Gewerbe anzumelden war mir zu diesem Zeitpunkt allerdings unangenehm. Einen Termin im Rathaus zu machen und bei der Anmeldung zu sagen: „Ich möchte als Prostituierte arbeiten“, hatte für mich einen bitteren Beigeschmack. Wer geht schon freiwillig ins Amt und outet sich so? Diese Hürde ist gesellschaftlich noch immer stark belastet. Der Beruf der Sexarbeiterin ist bis heute nicht vollständig akzeptiert – leider.


Dabei ist Sex doch etwas völlig Natürliches. Jeder Mensch hat ihn, aber kaum jemand spricht offen darüber. Es gilt schließlich als das älteste Gewerbe der Welt.

Mit diesen Gedanken begann ich zu recherchieren. Ich googelte „Anmeldung Prostituierte“ und stieß schnell auf Informationen zum Prostituiertenschutzgesetz.


Ein Kernelement dieses Gesetzes, das am 1. Juli 2017 in Kraft trat, ist die Anmeldepflicht sowie eine verpflichtende gesundheitliche Beratung für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter. Seit dem 1. Januar 2018 müssen alle, die in der Prostitution tätig sind, offiziell angemeldet sein.


Also doch kein klassisches Gewerbe?

Ich recherchierte weiter: Was bedeutet diese Anmeldung konkret?

Man benötigt lediglich ein Lichtbild sowie einen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Zusätzlich ist eine gesundheitliche Beratung nach §10 des Prostituiertenschutzgesetzes verpflichtend.

Ich fand heraus, dass es ausreicht, beim Gesundheitsamt der Stadt einen Termin zu vereinbaren, in der man hauptsächlich arbeiten möchte. Da ich mich noch nicht festgelegt hatte, entschied ich mich für meine Heimatstadt und buchte online einen Termin.

Dort konnte ich auswählen: „Blaue Karte vorhanden“ oder „keine blaue Karte“.

Was ist das schon wieder?

Ganz einfach: Die sogenannte „blaue Karte“ ist der Nachweis über die gesundheitliche Beratung.


In diesem Gespräch erhält man Informationen über:

Kondompflicht bei sexuellen Dienstleistungen (gesetzlich vorgeschrieben)

sexuell übertragbare Krankheiten

Schutzmöglichkeiten

Beratungs- und Teststellen (z. B. für HIV oder Hepatitis, oft anonym möglich)


Ich habe das Gespräch über mich ergehen lassen und fühlte mich ein bisschen wie im Biounterricht der 8. Klasse – Sexualkunde live. Aber ich dachte mir: besser aufgeklärt als gar nicht.


Nach dieser Beratung erhält man die „blaue Karte“.



Anschließend folgt die eigentliche Anmeldung, bei der die sogenannte „grüne Karte“ ausgestellt wird – umgangssprachlich oft „Hurenpass“ genannt.

Dieser Ausweis ist der offizielle Nachweis, dass man legal als Sexarbeiterin tätig ist. Mit der Anmeldung wird auch das Finanzamt informiert.



Wichtig:

Man muss nicht zwingend ein Gewerbe anmelden. Die Tätigkeit gilt steuerlich in der Regel als selbstständige Tätigkeit, die beim Finanzamt erfasst wird. Wie genau sie eingeordnet wird (z. B. als freiberuflich oder gewerblich), kann im Einzelfall unterschiedlich gehandhabt werden – hier lohnt sich eine Beratung durch eine Steuerperson.


Der Vorteil der Anmeldung über das Ordnungs- oder Gesundheitsamt ist: Die Weitergabe der Daten bleibt vergleichsweise begrenzt (insbesondere ans Finanzamt). Eine klassische Gewerbeanmeldung würde mehr Stellen involvieren.


Direkt im Anschluss an die Beratung erledigte ich auch die offizielle Anmeldung. Nach etwa 30 Minuten hielt ich meine Dokumente in der Hand.


Der Ausweis enthält:

  • ein Foto

  • persönliche Daten

  • die Gültigkeit

  • die Bundesländer, in denen man arbeiten darf (frei wählbar)


Es gibt außerdem die Möglichkeit, sich unter einem Alias-Namen registrieren zu lassen. Das sorgt für mehr Schutz der eigenen Identität.


Ich habe mich dafür entschieden.

So erhielt ich zwei Versionen:

eine mit meinem echten Namen (für Behörden) eine mit meinem Alias (für die Arbeit)

Im Alltag führe ich nur den Alias-Ausweis mit mir.


Wichtig ist lediglich, dass bei Kontrollen beide Nachweise zusammenpassen (blaue und grüne Karte mit identischen Angaben). Der bürgerliche Name muss nicht öffentlich sichtbar sein.


Zum Thema Anonymität: Ganz anonym ist die Anmeldung nicht – persönliche Daten werden für die Registrierung gespeichert. Allerdings unterliegen diese strengen Datenschutzregeln. Die gesundheitliche Beratung selbst kann in vielen Fällen anonym erfolgen.


Als ich das Gesundheitsamt mit meinen Unterlagen verließ, wurde mir klar: Jetzt ist es offiziell.


Ich hatte mir eine zweite Identität geschaffen. Eine Persona, mit der ich Geld durch Sex verdienen konnte.

Ein merkwürdiges, fast befremdliches Gefühl.


Doch das ließ mit der Zeit nach.


Bisher kannte ich das Thema Sexarbeit nur aus dem Fernsehen oder aus Erzählungen. Als Frau hat man zu vielen dieser Orte sonst keinen Zugang. Das änderte sich nun.

Dieser Ausweis war ein Türöffner – in eine Welt, die für Außenstehende verborgen bleibt.


Ein Doppelleben begann.


Sobald ich arbeite, lege ich mein Privatleben ab und schlüpfe in meine Alias-Persönlichkeit. Genau das ermöglicht es, beide Welten voneinander zu trennen.


Das schützt:

  • vor Stalkern

  • vor ungewolltem Wiedererkennen

  • vor Überschneidungen mit dem privaten Umfeld


Ich habe gemerkt: Die größte Hürde ist der erste Schritt.


Wenn man ihn gegangen ist, wird vieles klarer, strukturierter – und auch weniger beängstigend.


Über meine weiteren Erfahrungen, meine ersten Eindrücke und Begegnungen werde ich in den nächsten Beiträgen berichten.

Seid gespannt auf ehrliche Einblicke in das älteste Gewerbe der Welt.


Ihr seid hautnah dabei.


PS: Die gezeigten Bilder sind Musterbeispiele. Die tatsächlichen Dokumente können je nach Bundesland leicht variieren

 
 
 

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