Und plötzlich klopft es an der Tür...
- Maya
- 15. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Ein Freitagabend. Reger Betrieb für einen relativ frühen Abend. Ein netter Herr spricht mich an. Fragt nach meinem Service und meinen Preisen. Wir besprechen kurz, was er sich wünscht, bevor wir gemeinsam in meinem Zimmer verschwinden.
Er gibt mir das vereinbarte Geld und wir machen es uns gemütlich. Es ist ungewöhnlich laut auf dem Flur, was durch die dünnen Holz-Zimmertüren zu hören ist. Neben der Musik, die laut durch den Gang schallt, Gekicher von den Damen auf den umliegenden Stühlen, auch laute Männerstimmen. Plötzlich klopft es an meiner Zimmertür. Da ich im Termin war, öffnete ich nicht. Ich ignorierte das Klopfen. Bestimmt ein betrunkener Gast, der es lustig findet, an die Türen zu klopfen. Ich konzentrierte mich wieder auf meinen Gast. Es vergingen keine fünf Minuten, da klopfte es wieder an die Tür. Auch das Klopfen ignorierte ich. Vom Gang war zu hören, dass es hektischer wurde und auch an anderen Türen geklopft wurde. Kurze Zeit später hämmerte jemand mit der flachen Hand gegen meine Tür. Ich bat meinen Kunden um Verzeihung und zog mir einen Morgenmantel an, um die Tür einen Spalt zu öffnen. Direkt vor meiner Tür war niemand zu sehen. Als ich nach links blickte, sah ich eine Dame in einem gestreiften T-Shirt und einen Herrn. Als sie mich erblickte kam sie zu mir. "Steuerfahndung. Bitte rauskommen." Ich sagte ihr, dass ich einen Kunden habe. Mir wurde relativ unfreundlich und bestimmt mitgeteilt, der Herr möge sich bitte anziehen und mein Zimmer verlassen. Dann möge er sich bitte bei den Polizisten am Anfang des Ganges ausweisen. Ich schaute die Dame an der Zimmertür mir gegenüber fragend an. Sie sagte nur: Razzia.
Na super. Ich ging in mein Zimmer zurück und gab meinem Kunden die Info, die ich von der Dame an der Tür bekommen habe. Er zog sich an und verließ den Raum. Zwei Polizisten kamen ihm auf dem Gang entgegen und kontrollierten seine Personalien. Kurze Zeit später durfte er gehen. Jetzt hieß es sitzen und warten. Die Damen, die vorher noch in Unterwäsche oder ganz nackt auf den Barhockern saßen, hatten alle etwas dezenteres an; Tshirt und Shorts oder Morgenmantel.
Die Zeit verging. 15 Minuten, 20 Minuten, 45 Minuten. Nichts passierte. Die Polizisten standen am Anfang des Ganges. Nach knapp einer Stunde kamen zwei weitere Polizistinnen in meine Richtung und blockierten den Gang an meinem Ende. Ich hörte, wie die eine zur anderen sagte: oben hat es nicht so lange gedauert. Da waren nur 5 Damen. Die Organisation ist auch nicht das, was es sein sollte. Was machen die denn da jetzt so lange?
Darüber, dass ich fragte, ob ich mal eben in mein Zimmer gehen dürfe um das Fenster zu schließen, kamen wir ins Gespräch. Erst einmal die typische Frage: Sind Sie wirklich Deutsche? Sie sprechen so akzentfrei. Als ich sagte, ich sei tatsächlich Deutsche durch und durch, wuchs die Neugier. Wie ich denn dazu käme etc. Es war ein sehr angeregtes Gespräch. Alle anderen Damen guckten schon.
Die Dame, die sich mir als Steuerfahndung vorgestellt hatte, kam mittlerweile aus dem 3.Zimmer heraus. Sie lief etwas unkoordiniert durch den Gang, als suche sie etwas. Sprach immer wieder mit Kollegen. Irgendwann rief eine der beiden Polizistinnen, mit denen ich mich mittlerweile mehr als 45 Minuten unterhalten hatte: "Können wir bitte erstmal bei der netten Dame hier weiter machen? Hier geht es schnell, sie spricht Deutsch. Da brauchen wir keinen Übersetzer."
Tatsächlich war ich dann die Nächste an der Reihe. Ich kam mir vor wie eine Schwerverbrecherin. Die Dame von der Steuerfahndung ging an mir vorbei in mein Zimmer. Gefolgt von ihrem Kollegen. Die Polizistinnen standen an meiner Zimmertür. Ich war theoretisch in meinem Zimmer gefangen.
Die Herrschaften der Steuerfahndung verlangten neben meiner grünen Karte und der blauen Gesundheitskarte auch meinen Personalausweis mit Klarnamen. Ich übergab alles. Während die Mitarbeiterin an der Fensterbank meine Personalien übertrug und meinen Ausweis prüfte, fragte mich ihr Kollege nach meinem Kassenbuch und meinem Zimmermietvertrag. Ich war etwas verwundert. Antwortete dann aber selbstbewusst: "Mein Kassenbuch habe ich nicht bei mir. Es liegt zu Hause auf dem Schreibtisch. Ich schreibe meine Tageseinnahmen auf einen Zettel und trage es zu Hause ins Kassenbuch ein. Und mein Mietvertrag liegt hier im Büro. Wenn Sie ihn sehen möchten, können wir sehr gern gemeinsam mit einer der netten Polizistinnen ins Büro gehen und er wird Ihnen sicher gern ausgehändigt. Ich werde mir gern später eine Kopie besorgen, damit ich ihn in künftigen Fällen direkt vorweisen kann."
Zuletzt fragte mich der Herr noch, wie viel Geld in welcher Stückelung ich im Safe habe und dass ich diesen bitte für ihn öffnen möge. Ich öffnete den Tresor, obwohl ich ihn nicht hätte öffnen müssen, da die Steuerfahnder keinen Durchsuchungsbeschluss hatten. Da ich nichts zu verbergen habe und sehr ehrlich bin, folgte ich der Anweisung. Er war zufrieden für den Moment. Seine Kollegin war mittlerweile auch fertig mit dem Schriftkram. Mir wurde, neben meinen Papieren, auch ein 3 seitiges Schriftstück ausgehändigt. Zum Nachlesen. Aha....
Die 4 Personen verließen mein Zimmer und ich schloss meine Zimmertür hinter ihnen. Ich setzte mich aufs Bett und las.
"Sehr geehrte Frau xyxy,
Nach §370 AO beschuldigen wir Sie hiermit der Steuerhinterziehung......"
Ich habe Kopien meines Kassenbuches, alle Belege zu meinen Ausgaben, sowie meinen Zimmermietvertrag und meine Steuernummer für den Zeitraum (...) bis (...) an das zuständige Finanzamt der Stadt .... zu senden. Solange ich diese Unterlagen nicht beibringe bleibt der Tatbestand der Steuerhinterziehung bestehen. Uff.
Ich bin angemeldet, ich zahle meine Zimmermiete, zahle meine Steuern, mache regelmäßig meine Steuererklärung. Ich komme mir vor wie eine Schwerverbrecherin, die im nächsten Moment verhaftet wird. Ein komisches Gefühl.
Ich legte das Schreiben in meine privaten Sachen und ging wieder raus auf den Flur. Die Polizisten waren verschwunden. Die Damen saßen wieder in Dessous oder auch im Evakostüm auf ihren Stühlen. Es wirkte, als sei nichts passiert.
Die ersten Männer schlichen den Gang wieder entlang. Ich entschied mich, mir erstmal ein Getränk aus der Bar zu holen. Oben in der Bar traf ich auf meine Lieblingskellnerin. Ja gut, eine Tratschtante. Sie erzählte mir erst einmal brühwarm, dass 5 Mädels des Etablissements verwiesen wurden, da sie keine gültigen Papiere hatten. Na sowas. Wie kann das denn passieren, wenn diese Papiere doch im Büro regelmäßig überprüft werden? Mh.
Ich ging mit meinem Getränk wieder in mein Zimmer zurück. Dafür, dass es schon mittlerweile kurz nach Mitternacht war, lief das Geschäft noch richtig gut an dem Abend.
Am nächsten Tag war ich wieder dort. Der Abend lief entspannt, natürlich war die gestrige Razzia gerade bei den Gästen ein Thema. Die Medien blieben davon natürlich auch nicht unwissend. Schlagzeilen wo man hinschaute. Bei meinem Rundgang durchs Haus ging ich auch in die untere Bar und traf einen alten Bekannten. Wir haben uns im Club kennengelernt und sahen uns jedes Mal, wenn ich dort war zum Arbeiten. Er erzählte mir, dass er auch ab und zu mal im Laufhaus auf der anderen Straßenseite schauen gehen würde, doch das wäre ihm zu billig. Dort habe er 5 Mädels angetroffen, die gestern durch die Razzia das hiesige Haus verlassen mussten. Sie arbeiten nun dort drüben.
Jetzt mal im Ernst. Wenn man aufgrund gefälschter Papiere aus dem einen Laden rausfliegt, wie kann man dann so dreist sein, direkt im Laden gegenüber mit mutmaßlich den gleichen gefälschten Papieren weiter arbeiten?
Wenn ich erwischt werde, sollte mir das doch eine Lehre sein. Genau solche Damen sorgen dafür, dass unsere Branche in den Dreck gezogen wird. Genau diese Damen machen uns das Gewerbe kaputt. Dank dieser Damen bin ich, die das Ganze aus Spaß nebenbei macht, dazu verpflichtet worden, meine Umsatzsteuervorauszahlung direkt über das Etablissement abzuführen. Wenn ich dieses nicht tue, muss ich bei der Steuerfahndung erscheinen, meine Kassenbücher für alle Monate vorlegen und das jedes Mal, wenn ich mal ausnahmsweise Lust habe, mein Wochenende in diesem Laufhaus zu verbringen. Genau dank dieser Damen muss ich eine quartalsweise Umsatzsteuermeldung als Kleinunternehmer abgeben und bei meinem ortsansässigen Finanzamt darum kämpfen, die zu viel gezahlte Umsatzsteuer irgendwie wieder zurück zu bekommen. (Als Kleinunternehmer ist man in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit, sofern man die gesetzlichen Grenzen nach Umsatzsteuergesetz nicht überschreitet).
Mädels, meldet euch ganz vernünftig an. Ihr zieht mit eurer Schwarzarbeit und euren Machenschaften unschuldige, ehrliche Mädels nur in euren Sumpf. Genau das macht die Branche kaputt und für ehrliche Damen unattraktiv.
Mein Fazit: Es war mal spannend, eine Razzia mitzuerleben. Es deckt Schwarzarbeit auf. Doch wenn es so einfach ist, an anderer Stelle bzw nicht mal 50m Luftlinie entfernt mit genau diesen gefälschten Papieren die gleiche Arbeit ungestraft weiter fortzusetzen, dann stimmt in unserem Staat etwas nicht. Natürlich kann ich mittlerweile verstehen, dass die Politik über ein Prostitutionsverbot in Deutschland nachdenkt. Doch all das bräuchte man nicht, wenn wir nicht 75% schwarze Schafe aus dem europäischen Ausland hätten, die uns deutschen, ehrlichen Bürgerinnen das Leben so schwer machen würden. Nicht nur dass das Ansehen leidet. Es leiden auch die Preise. Aber dazu werde ich mich noch einmal gesondert äußern. Freut euch auf den nächsten Eintrag.....






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