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Was macht man wenn .....

  • 19. Okt. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Apr.

... ein Kunde plötzlich sein wahres Gesicht zeigt – und nichts mehr von der anfänglichen Freundlichkeit übrig ist?


In meinem Beitrag über das Etablissement auf der Reeperbahn habe ich bereits das Thema Security angesprochen. Dort ist sie eher dünn besetzt – in anderen Häusern sieht das ganz anders aus. Kameras auf den Fluren sind Standard, sie überwachen jeden Schritt vor den Zimmern. Doch was passiert, wenn sich die Situation hinter verschlossener Tür zuspitzt?


Genau dafür gibt es Sicherheitsmechanismen. In jedem Zimmer. Immer. Ein Telefon, das Alarm schlägt, wenn der Hörer einfach abgenommen und nach wenigen Sekunden keine Nummer gewählt wird. Ein unscheinbarer Knopf an der Wand – getarnt als Lichtschalter oder Feueralarm. Ein Handgriff, und Hilfe ist unterwegs.


Mädels, ihr seid nicht allein. Nie.


Und bitte – macht nicht den gleichen Fehler wie ich.


Es war mein zweiter Tag im Laufhaus. Früher Nachmittag, gegen 16 Uhr. Ein Mann kam zu mir – Mitte bis Ende zwanzig, südländisches Aussehen, Joggingjacke, Trainingshose, ein Adidas-Rucksack lässig über der Schulter. Nichts Auffälliges. Er fragte auf Englisch nach 15 Minuten. Ich nannte ihm 50 Euro. Er nickte. Alles wirkte normal.


Wir gingen in mein Zimmer.


Er gab mir das Geld, zog sich aus, legte sich auf mein Bett. Ich begann meine Arbeit – routiniert, ruhig. Doch plötzlich änderte sich alles.


Er kniete vor mir. Sein Blick wurde fordernd.

Kalt.


Er wollte Sex ohne Kondom.


Ich verneinte sofort. Klar. Deutlich. Ohne Spielraum. Ich erklärte ihm, dass es verboten ist, dass ich ausschließlich Safer Sex anbiete. Punkt.


Doch er ließ nicht locker.


Sein Ton wurde schärfer, respektlos. Fordernd. Als hätte er plötzlich das Recht, über mich zu bestimmen. Als hätte mein „Nein“ keine Bedeutung.


In mir stieg Wut auf. Und Angst.


Ich stand auf, sah ihm direkt in die Augen und sagte ihm, er solle es akzeptieren oder gehen. Keine Diskussion mehr.


Widerwillig zog er sich an. Ich drängte ihn zur Tür, schob ihn praktisch hinaus. Und – aus reiner Gutmütigkeit, aus Unsicherheit, aus Naivität – gab ich ihm auch noch sein Geld zurück.


Ein Fehler.


Kaum war die Tür zu, schloss ich sofort ab. Mein Herz raste. Meine Hände zitterten.

Dann das Klopfen.


Er stand draußen. Flehend. Bettelnd. Jetzt würde er es doch mit Schutz machen.


Ich öffnete die Tür einen Spalt. Sagte ihm, er solle verschwinden.


Kurz Ruhe.


Dann wieder Klopfen.


Diesmal lauter. Hartnäckiger. Aggressiver.

Er stand wieder da.


Ich wurde deutlicher. Schärfer. Schickte ihn erneut weg.


Auf dem Flur öffneten sich Türen. Andere Frauen schauten. Beobachteten. Aber keine griff ein. Keine sagte etwas.


Ich fühlte mich plötzlich unfassbar allein.

Ich schloss die Tür wieder.


Dann begann er zu hämmern.


Nicht mehr klopfen – hämmern.


Die Wut in mir kochte. Die Angst saß mir im Nacken. Mein Puls donnerte in meinen Ohren.


Ich riss die Tür auf – genau in dem Moment kam meine Zimmernachbarin den Flur entlang. Sie sah die Szene. Hörte den Lärm. Und explodierte.


Mit einer Klarheit und Härte, die ich in diesem Moment selbst nicht mehr aufbringen konnte, schrie sie ihn an, er solle sich verpissen.


Endlich.


Endlich ging er.


Ich bedankte mich bei ihr, ging zurück in mein Zimmer, schloss die Tür ab – und brach zusammen.


Die Tränen kamen sofort. Unkontrolliert. Eine Mischung aus Angst, Wut und dieser lähmenden Erkenntnis, wie schnell eine Situation kippen kann.


Fünf Minuten später, noch immer zitternd, zog ich mir meinen Bademantel über und ging nach unten zur Security.


Und dann kam dieser Satz, der sich eingebrannt hat:


„Warum hast du keinen Alarm ausgelöst? Dafür ist das doch da.“


Ja.


Er hatte recht.


Und genau deshalb sage ich euch das hier so deutlich:


Zögert nicht. Niemals.

Drückt den Alarm. Werft den Hörer runter. Holt Hilfe.


Es ist völlig egal, ob sich die Situation im Nachhinein als „halb so wild“ herausstellt. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Ich beschrieb den Mann. Die Security überprüfte sofort die Kameras. Wenige Minuten später hatten sie ihn lokalisiert – fünfte Etage. Sie stiegen in den Aufzug.


Sein Tag war beendet.


Hausverbot.


Und das ist genau richtig so.


Deshalb mein Rat an jede einzelne von euch:


Verlasst euch nicht darauf, dass andere eingreifen. Auch wenn man sich das gerne einredet. Wenn es darauf ankommt, steht ihr oft allein da.


Aber ihr habt Werkzeuge. Ihr habt Schutz. Nutzt ihn.


Die Security ist nicht Dekoration. Ihr bezahlt dafür. Also nehmt es in Anspruch.


Und vor allem – vergesst niemals:


Nur weil ein Mann bezahlt, gehört ihr ihm nicht.


Er hat kein Recht.


Er entscheidet gar nichts.


Ihr entscheidet.


Immer.


Es ist euer Körper. Eure Grenzen. Eure Regeln.

 
 
 

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