Wieder neue Erfahrungen - Das Laufhaus
- 31. Mai 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. März
Wie ich inzwischen für mich erkannt habe, sind Clubs einfach nicht der Ort, an dem ich mich sehe – nicht der Ort, an dem ich mich wohlfühle, und schon gar nicht der Ort, an dem ich das Geld verdienen kann, das ich mir erhoffe. Also musste eine andere Lösung her. Aufgeben war keine Option. Ich machte weiter.
Auf meiner Liste stand nun: das Laufhaus.
Ich suchte mir im Internet mehrere Etablissements heraus – gut erreichbar, nicht zu weit entfernt. Eines davon sprach mich besonders an. Nach einem überraschend angenehmen Telefonat – ruhig, freundlich, fast schon beruhigend – machte ich mich auf den Weg in die Nachbarstadt.
Als ich vor der Tür stand, hielt ich kurz inne. Mein Blick wanderte nervös nach links, nach rechts. Sieht mich jemand? Erkennt mich jemand? Mein Herz klopfte schneller, fast hörbar. Dann ging ich die Stufen hinauf.
Oben angekommen stand ich vor der Security. Ich erklärte, dass ich angerufen hatte und man mir gesagt hatte, ich könne einfach vorbeikommen. Ich sollte nach einem bestimmten Mitarbeiter fragen. Kaum hatte ich seinen Namen ausgesprochen, ertönte aus einem Büro links von mir eine Stimme:
„Dann komm doch mal direkt zu mir.“
Ich trat ein. Hinter einer hohen Theke saß ein stattlicher Mann mit kurzen Haaren. Sein Lächeln war ruhig, fast väterlich. Er musterte mich freundlich und deutete auf einen Stuhl.
„Setz dich erst mal. Tief durchatmen.“
Meine Hände zitterten leicht, als ich ihm meine Unterlagen reichte. Er grinste.
„Wir beißen hier nicht. Entspann dich.“
Seine lockere Art nahm mir ein Stück meiner Anspannung. Wir gingen den Papierkram durch, und als er meinen Nachnamen sah, musste er lachen.
„Also ganz ehrlich – manch rumänischer Nachname ist einfacher zu schreiben als deiner.“
Ich lachte mit. Ein erstes, vorsichtiges Lösen der Nervosität.
Dann führte er mich durchs Haus.
Ein schummriges Licht lag in der Luft, irgendwo zwischen Verheißung und Ungewissheit. Die Gänge wirkten endlos, gesäumt von Türen, hinter denen sich flüchtige Geschichten verbargen. Jeder Schritt hallte leise nach, als würde der Ort selbst jedes Zögern spüren. Ein leises Summen aus Stimmen, gedämpftem Lachen und Musik vermischte sich zu einer Atmosphäre, die zugleich fremd und seltsam vertraut wirkte.
Mein Blick wanderte – neugierig, vielleicht auch ein wenig suchend. Hinter halb geöffneten Türen blitzten Farben auf, Bewegungen, Blicke, die mehr sagten als Worte. Es war ein Spiel aus Nähe und Distanz, aus Erwartung und Zurückhaltung. Die Zeit schien hier anders zu fließen, gedehnt, fast schwer greifbar.
Ein Hauch von Nervosität lag in der Luft, vermischt mit einer unterschwelligen Spannung, die sich kaum in Worte fassen ließ. Jeder Moment fühlte sich intensiver an, als würde man eine Grenze überschreiten – nicht nur räumlich, sondern auch innerlich.
Und doch blieb am Ende nicht nur das Bild dieses Ortes, sondern vor allem ein Gefühl: ein Gemisch aus Neugier, Unsicherheit und einer leisen Faszination, die noch lange nachklang.
Wir gingen am Security-Mitarbeiter vorbei, der mir ein kurzes, wissendes Lächeln schenkte, und stiegen in den Aufzug – nur für Personal und die Damen. Die Türen schlossen sich, und mein Spiegelbild im Edelstahl sah mir entgegen: leicht blass, aber mit funkelnden Augen.
Die Türen öffneten sich.
Ein Gang. Gedämpftes Licht. Türen links und rechts. Manche geschlossen, vor einigen standen bereits Barhocker.
Wir machten einen kurzen Abstecher zur Bar. Ich versuchte, meine Nervosität mit lockeren Sprüchen zu überspielen – und es funktionierte. Ich wurde vorgestellt:
„Das ist meine neue Freundin, die kommt jetzt öfter.“
Ich grinste. Na, wenn das kein gutes Zeichen war.
Dann ging es weiter den langen Flur entlang. Schließlich blieb er stehen und öffnete eine Tür mittig des Ganges.
„Urlaubsvertretung“, sagte er.
Als das Licht anging, verstand ich sofort.
Das Zimmer wirkte etwas in die Jahre gekommen, aber sauber. Funktional. Zwei kleine Tische, ein Bett, ein Schrank, ein Barhocker. Nichts Überflüssiges – alles hatte seinen Zweck. Ein eigenes Bad mit Dusche, Toilette und Waschbecken. Ein Safe.
An den Wänden und Fensterrahmen leuchteten LED-Streifen, die dem Raum eine fast künstliche Wärme gaben. Auf der Fensterbank lagen Peitschen und andere Utensilien – stumm, aber deutlich.
Am Kopfende des Bettes stand ein Telefon.
Er erklärte mir ruhig das Notfallsystem. Dass ich es immer griffbereit halten sollte. Dass ein abgenommener Hörer ohne Wahl direkt einen Alarm auslöst. Ein kurzer Test – kaum hatte ich den Hörer in der Hand, meldete sich die Security. Schnell. Verlässlich.
Das gab mir ein Gefühl von Sicherheit, das ich nicht erwartet hatte.
Er erklärte mir auch, was im Ernstfall zu tun ist: ins Badezimmer gehen, die Tür abschließen. Oder raus auf den Gang, zu einer anderen Frau. Zusammenhalt. Schutz.
Und genau das spürte ich in diesem Moment: Ich war nicht allein.
Dann kamen die Details. Die kleinen Regeln. Die stille Sprache dieses Ortes.
Der Barhocker vor der Tür. Das Handtuch als Zeichen: bereit.
Die Tür immer abschließen, wenn ein Kunde im Zimmer ist.
Gespräche über Preise im kleinen Flur führen – diskret, unter sich.
Ich nickte und versuchte, mir alles einzuprägen.
100 Euro für 30 Minuten. 200 für eine Stunde.
Langsam entstanden Bilder in meinem Kopf – Bilder, die man aus Reportagen kennt. Frauen auf Hockern, leicht bekleidet, wartend.
Und bald … würde ich eine von ihnen sein.
Ein kurzer Stich Angst.
Nach der Hausführung holte ich mir im Büro frische Laken. Dann ging ich allein zurück zu meinem Zimmer. Jetzt war ich auf mich gestellt.
Ich stellte den Barhocker in den Türrahmen. Genau wie erklärt. Perfekt positioniert.
Dann duschte ich. Das warme Wasser lief über meine Haut und beruhigte mich ein wenig. Ich zog mich um, legte dezentes Make-up auf.
Dann öffnete ich die Tür.
Ein tiefer Atemzug.
Ich legte das Handtuch auf den Stuhl.
Setzte mich.
Und wartete.
Das Gefühl war … seltsam. Fremd. Echt.
Der Gang war noch leer. Es war früher Nachmittag. Ruhig. Fast zu ruhig.
Dann kam er.
Mein erster potenzieller Kunde.
Mein Herz schlug schneller. Gedanken überschlugen sich.
Lächeln? Reden? Schweigen?
Ich entschied mich für das, was sich am ehrlichsten anfühlte.
Ich blieb sitzen. Lächelte.
„Hi.“
Es kam einfach so über meine Lippen.
Er lächelte zurück, ging erst weiter – und kam dann wieder. Blieb stehen. Sprach mich an.
„Bist du neu hier?“
Ich nickte.
„Ja, mein erster Tag.“
Das Gespräch war kurz, vorsichtig. Dann die Frage nach den Preisen. Ich entschied spontan, etwas darunter zu bleiben. Ein kleiner Vorteil.
Und plötzlich … war es soweit.
Mein erster Kunde.
Er folgte mir ins Zimmer. Ich schloss die Tür.
Er reichte mir direkt das Geld.
Dieser Moment – so simpel, so direkt – fühlte sich fast surreal an.
Ich stellte den Timer. 30 Minuten.
Alles lief ruhig. Ohne Komplikationen.
Und als er ging, war da dieses Gefühl:
Ich habe es geschafft.
Ich stand kurz unter der Dusche, das Wasser rauschte, während Gedanken durch meinen Kopf jagten:
Das war gar nicht so schwer.
Das war … machbar.
Vielleicht sogar gut.
Meine Angst wich – und machte Platz für Ehrgeiz.
Der Abend nahm Fahrt auf. Mehr Kunden. Mehr Begegnungen. Mehr Routine.
Ich beobachtete die anderen Frauen. Viele wirkten distanziert, fast abweisend. Ich entschied mich bewusst dagegen. Freundlich bleiben. Natürlich bleiben.
Und es zahlte sich aus.
Kunden kamen zurück. Gespräche wurden lockerer. Echtes Feedback.
Ein Mann sagte zu mir, ich sei die erste, die so offen und angenehm sei.
Das blieb hängen.
Ich wusste: Das ist mein Weg.
Am Ende des Abends, mit müden Beinen, aber wachem Kopf, saß ich im Auto. Knapp 400 Euro in der Tasche.
Und ein klares Gefühl im Herzen:
Das hier … könnte funktionieren.
Das Laufhaus fühlte sich richtig an.
Der Club? Nicht mehr.
Und während die Lichter der Straße an mir vorbeizogen, wusste ich:
Das war erst der Anfang.

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